Eine Geschichte über Tomatensaft und WeihnachtenNeulich hatte ich das Vergnügen per Flieger von Berlin nach London zu reisen. Dabei sind mir so einige Dinge aufgefallen.
Ein großer Teil der Passagiere, eigentlich fast alle, bestellte sich an Bord Tomatensaft. Ja genau: dieses rote, flüssige Zeug, welches nach Garten und Pizzasoße schmeckt und eigentlich nur produziert und in Flaschen gefüllt wird, um in die tristen Verkaufsregale in den Supermärkten
etwas Farbe zu bringen und die Lücken zu füllen.
Wie schon gesagt, fast jeder an Bord orderte Tomatensaft. Die von der Tomatensaftfraktion -klar- Aber auch die, die normalerweise keinen solchen trinken. Jedenfalls nicht, wenn sie festen Boden unter den Füßen haben. Kommt man denen sonst mit Tomatensaft, wird verekelt das Gesicht verzogen: „Tomatensaft? -----------bäääh, nee, fürchterlich, willichnich!“
Im Flieger aber kippen die sich das Zeug hinter die Binde, als wäre es lebensrettend.
Ich persönlich mag ihn, gerne sogar. Also daaaa oute ich mich dann schon!
Jedenfalls bin ich bislang noch nicht dahinter gekommen, warum sich die „Tomatensaftnichttrinker“ das Getränk mit Todesverachtung in die Kehle schütten.
Bonusmeilen? Gibt es dafür nicht. Oder habe ich da irgend etwas verpasst?
Vielleicht finden sie es aber einfach nur geil und nervenkitzelnd, wenn während des Fluges, dank eines Luftloches (da hat mal wieder jemand ein solches gestarrt) die Maschine durchsackt und sich die ganze Plörre über Kinn, Hemd und Hose ergießt und dann nur anstandshalber
aufschreien: „Ääää, jetzt seh ich aus wie `ne Sau!“ „Und bekleckert haben Sie sich auch,“ erwidert der Sitznachbar dann lakonisch. Nee nee, es ist nicht wirklich ein Vergnügen sich mit Tomatensaft zu begießen.
Könnte nicht auch folgendes der Grund sein?: Das Flugzeug stürzt ab. (Kann ja mal vorkommen) Und in weiser Voraussicht hat man sich schon kurz nach dem Start mit Tomatensaft bekleckert und wird, Dank der roten Flecken sofort als schwer verletzt eingestuft und schnell gerettet? Hat doch auch was.
Eine andere Sache, die ich seht interessant finde und auf die ich noch nicht wirklich eine Antwort habe ist: Warum klatschen die Passagiere nach der Landung?
Kaum das die Maschine butterweich aufgesetzt und ausgerollt ist, wird applaudiert, das die Tragflächen wackeln.
Apropos butterweiche Landung. Ich hab mir sagen lassen, das eine butterweiche Landung grundverkehrt ist!! Ein Pilot, der so landet hat keine Ahnung. Butterweich landen ist nämlich lebensgefährlich. Im Fahrwerk eines modernen Flugzeuges, so hat man mir erklärt, sitzt ein Kontakt der eine Art Bremskraftverstärker auslöst. Das allerdings nur, wenn ein dem entsprechend starker Druck ausgelöst wird. Und das passiert nur wenn die Maschine härter aufsetzt. Bei „Butterweich“ kann es passieren, das kein Kontakt ausgelöst wird und die Maschine über die Landebahn hinausschießt.
Also, wenn es ruckt, rumpelt und poltert beim landen, dann hat der Pilot Ahnung und ist ein Könner.
Doch zurück zum Applaus. Warum wird nach der Landung, egal ob hart oder weich, geklatscht?
Zur Erleichterung weil man endlich unten ist, weil es ein schöner Flug, geradezu ein unvergessliches Erlebnis mit Luftlöchern und Tomatensaftsaftkleckerei war oder einfach nur als Dank an den Piloten weil er uns Heil ans Ziel gebracht hat? Mein Gott—das ist sein Job!!
Wenn ich meine Frau mit dem Wagen zur Arbeit bringe und sie dann dort aussteigt, bekomme ich auch keinen Applaus. „Tschüss bis heut Abend.“ Ein flüchtiger Kuss auf die Wange und das war`s.
Aber Applaus? Nö, Pustekuchen. Ey, ICH hab sie heile zur Arbeit gefahren. Na gut, Luftlöcher und Tomatensaftflecken konnte ich nicht bieten, aber sie ist angekommen. Heile!! Und das ist keinen Applaus wert?
Aber eigentlich wollte ich mich weder über Tomatensaft noch über Applaus nach geglückter Landung äußern, sondern über etwas ganz anderes.
Wie schon Eingangs erwähnt, flog ich unlängst, kurz vor Weihnachten, Berlin – London. Der Flug dauerte nicht lange aber für ein kurzes Nickerchen, nach diversen Gedankengängen, reichte es und dabei träumte ich vom bevorstehenden Fest.
Ein wahrhaft knisternder Traum. Von einem Weihnachtsmann und einem weiblichen Christkind mit einer bezaubernden Figur. Schlank, zierlich (Konfektionsgröße 36), langhaarig und blond. Mit blauen Augen in denen ein verführerischer Blick lag und einem zärtlichen Lächeln um die roten Lippen, das einem ganz warm ums Herz wurde.
So schritt es, nur in einem weißen, eng anliegenden, fast durchsichtigem,dünnen Kleid, allein durch eine verschneite Landschaft. Weit hinter ihr stapfte der Weihnachtsmann; ein großer, kräftiger Naturbursche mit vollem, dichten Haar, einem langen Bart, tiefschwarzen Augen; durch den Schnee. Gekleidet war er in seine winterfesten, roten Sachen und er trug einen großen Sack auf den Schultern in dem er seine Habseligkeiten verstaut hatte.
Und wie er nun so mit gesenktem Blick einherging, fiel sein Blick auf die Abdrücke zierlicher Füße. Er kam zu der Erkenntnis, das es sich um weibliche Fußabdrücke handeln mußte und beschleunigte seine Schritte.
Das Christkind hingegen mühte sich damit ab vorwärts zu
kommen. Ihr war kalt, sie hatte sich verlaufen und die Angst saß ihr im Nacken. Schneetreiben setzte ein. Der Weihnachtsmann folgte schnell und zügig der Spur und schon bald erkannte er weit vor sich eine weiße Gestalt. Schneller und raumgreifender wurden seine Schritte und er kam ihr näher.
Das Christkind zuckte zusammen – knirschte da nicht Schnee hinter ihr? Knackten da keine Äste? Es drehte den Kopf und schaute zurück, blieb stehen und drehte sich um. Ein freudiges Lächeln erschien auf ihrem vor Kälte gerötetem Gesicht. „Weihnachtsmann!!“ „Christkind!“ Sie fielen sich in die Arme und vor lauter Glück schluchzte das Christkind: „Ich bin so froh, das du mich gefunden hast, lieber Weihnachtsmann. Ich hab mich verlaufen, mein Kleid ist nass und mir ist kalt.“ „Nun bist du ja bei mir“, brummte der große Mann und nahm das Christkind wärmend in die Arme. „Komm, in der Nähe ist eine Wanderhütte. Dort mach ich uns ein Feuer, damit du dich wärmen kannst.“
Lässig hob er das Mädchen hoch und trug es mit sich fort. Die Hütte entpuppte sich als relativ gut ausgestattet. Mit Kamin, Herd, einem Bett und ausreichenden Vorräten. Sanft setzte der große Mann das Christkind ab, ging zum Kamin und schon bald knisterten die ersten Flammen und eine wohlige Wärme machte sich breit.
Zitternd und bibbernd saß das Christkind auf einem Stuhl. „Komm näher an den Kamin und wärm dich auf“, brummte der rot gekleidete Mann, „Zieh deine nassen Sachen aus, damit sie am Kamin trocknen und dann leg dich ins Bett.“ „Ich – ich kann mich doch nicht vor dir ausziehen“,erwiderte das Christkind und errötete dabei. „Blödsinn, natürlich kannst du. Oder meinst du, du bist die erste nackte Frau die ich zu sehen bekomme?“
Anstandsvoll drehte sich der Weihnachtsmann um, das Christkind entledigte sich seiner Kleider und schlüpfte ins Bett. Der Weihnachtsmann hingegen zog seinen Mantel und die Stiefel aus, öffnete den großen Sack und entnahm ihm eine
große Flasche Wein. „Ich mach uns jetzt einen Glühwein, der wärmt schön von innen durch“, brummte er. Er hantierte an Kamin und Herd und nach einer Weile erfüllte Glühweinduft den Raum. Er füllte zwei Becher und reichte einem dem Christkind herüber, welches ihn schon die ganze Zeit genauestens betrachtet und seine große, kräftige Figur bewundert hatte. Ein warmer und wohliger Schauer durchzog ihren Körper. Als es den gereichten Becher nahm, berührte sie die Hand des Weihnachtsmannes und ein kribbeln durchfuhr beide. Über den Becherrand schauend blickte das Christkind den Mann an und fragte: „Ist dir nicht auch kalt?“
„Eigentlich nicht, aber wenn dir sehr kalt ist, kann ich dich noch zusätzlich wärmen!“
"Ich fühle mich wie ein Eiszapfen. Wärme mich!“
Der Weihnachtsmann stand auf, legte Holz im Kamin nach, verschloss die Hüttentür und schlüpfte aus seinen Sachen. Dann kletterte er zum Christkind ins Bett und nahm es in seine Arme.
Es ruckelte und polterte auf heftigste.
Das Flugzeug war gelandet und ich wach.
Schade



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